- Verbändebündnis fordert bessere Wohnungsbauförderung
- Beispielregion Nürnberg verdeutlicht den wachsenden Bedarf an altersgerechten und energieeffizienten Wohnungen
- Initiative im Bundesrat gefordert
Nürnberg, 3. September 2010 – Arbeitgeber und Unternehmer der bayerischen Bau- und Immobilienwirtschaft verstärken angesichts der Kürzungspläne der Bundesregierung bei der Wohnungsbauförderung den Druck auf die Politik. Sie fordern ein Eintreten Bayerns für attraktive Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau im Bundesrat. Gerade im Freistaat besteht ein Bedarf an energieeffizientem und altersgerechtem Wohnraum, der schon unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht gedeckt werden kann. Die im Bündnis „Impulse für den Wohnungsbau in Bayern“ zusammengeschlossenen Verbände und die IG BAU befürchten nicht nur Umsatzverluste und den Abbau von Arbeitsplätzen, sondern warnen vor sich verschärfenden sozialen Folgen.
Vor allem Senioren und junge Berufseinsteiger müssen bundesweit schon heute große Teile ihres Einkommens fürs Wohnen aufbringen. Sie verfügen über ein vergleichsweise geringes Einkommen, benötigen aber Wohnungen, die auf dem Markt knapp sind oder nicht existieren. Beim erwarteten allgemeinen Absinken des Rentenniveaus und der Stagnation im Wohnungsbau wird sich diese Situation weiter zuspitzen.
Das Ausmaß der gesellschaftlichen Herausforderung des mangelnden Wohnungsneubaus wurde von Politikern, Investoren und Sozialverbänden bei einer Diskussionsveranstaltung in Nürnberg an der Situation vor Ort diskutiert. Damit genügend altersgerechter und energieeffizienter Wohnraum entsteht, müsste sich der Wohnungsneubau in der Region annähernd verdoppeln. Fertiggestellt wurden in der Region Nürnberg in 2009 knapp über 3.000 Wohnungen. Benötigt werden rund 6.000 neugebaute Wohnungen pro Jahr. Matthias Günther vom Eduard Pestel Institut bringt das Ergebnis seiner Berechnungen auf den Punkt: „In der Region Nürnberg werden zu wenige Wohnungen neu gebaut und von den Neubauten sind zu wenige Wohnungen seniorengerecht.“
Der Wissenschaftler zieht den Schluss, dass bei einer Fortsetzung der gegenwärtigen Wohnungspolitik ein Teil der Bevölkerung schlechter als heute wohnen wird. Vor dem Hintergrund der wachsenden Zahl betagter Menschen bedeutet diese Schlussfolgerung in vielen Fällen den Umzug ins Heim und in der Folge steigende Kosten für Pflegekassen und gegebenenfalls Sozialhilfeträger. Der Landtagsabgeordnete und Landesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt in Bayern Dr. Thomas Beyer wirbt dafür, älteren Menschen so lange wie möglich Selbstständigkeit und Unabhängigkeit im vertrauten Wohnumfeld zu bewahren. Die dafür zur Verfügung stehenden Mittel reichten dafür aber auch nicht ansatzweise aus.
Dr. Hannes Zapf, der Sprecher des Bündnisses „Impulse für den Wohnungsbau in Bayern“, verweist auf die Verantwortung der Politik, ausreichend bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen: „Der Politik stehen einige Stellschrauben zur Verfügung, um die Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau attraktiver zu gestalten.“ Die Reduzierung der erfolgreichen KfW-Förderprogramme sei sicherlich der falsche Weg. Gleichzeitig müssten aber die Abschreibungsbedingungen (AfA) im Wohnungsbau attraktiver gestaltet werden. „Verschiedene Studien belegen nicht nur, dass wir mit einer höheren AfA den Bau von Wohnungen wieder rentabel machen. Wir wissen auch, dass diese Maßnahme durch zusätzliche Investitionen den öffentlichen Haushalten mehr an Steuern und Sozialabgaben bringt, als dass sie den Fiskus ‚kostet‘“, so Dr. Zapf. Bayern könne eine Führungsrolle für mehr Wohnungen übernehmen. „Auch andere Bundesländer stehen vor ähnlichen Problemen. Bayern kann mit seinen guten Verbindungen in die Bundesregierung viel bewegen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, gibt sich der Sprecher des Bündnisses zuversichtlich.
Das Bündnis „Impulse für den Wohnungsbau in Bayern“ wird unterstützt von:
- Deutsche Gesellschaft für Mauerwerksbau e.V.
- Kalksandsteinindustrie Bayern e.V.
- Landesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Bayern e.V.
- Landesverband Bayerischer Bauinnungen
- Bayerische Ingenieurekammer-Bau
- Bayerischer Ziegelindustrieverband e.V.
- Bayerischer Industrieverband Steine und Erden e.V.
- Industriegewerkschaft Bauen-Agar-Umwelt
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